Staffordshire Bullterrier: Krankheiten, Kosten und Versicherung


Laura Schneider Geschrieben von Laura Schneider

Ein bestandener Wesenstest hebt die Einstufung eines Staffordshire Bullterriers nicht auf. In Bayern zählt der Staffordshire Bullterrier zur Kategorie 1, und diese Vermutung der Gefährlichkeit greift ab dem Tag der Anschaffung, unabhängig vom Verhalten des Hundes. Für Halter hat das zwei sehr unterschiedliche Folgen. Bei der Hundehaftpflicht entscheidet der Rassename über Annahme oder Ablehnung. Bei der Krankenversicherung spielt er kaum eine Rolle, dort zählen der Zeitpunkt des Abschlusses und der Erstattungssatz. Auf der Gesundheitsseite halten wir Lassie für die passende Adresse, auf der Haftpflichtseite Uelzener.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei Kategorie 1 gilt die Gefährlichkeit als unwiderleglich vermutet: Es gibt kein Verfahren, das die Einstufung wieder aufhebt.
  • Zucht und Einfuhr sind seit 2001 bundesweit verboten, welche Auflagen für die Haltung gelten, regelt jedes Bundesland selbst.
  • Auf der Gesundheitsseite ist die Lage besser: Mehrere Anbieter nennen keine Rasseausschlüsse, bestätigen lassen sollten Sie die Annahme trotzdem.
  • Bei der Hundehaftpflicht ist es umgekehrt, dort lehnen viele Versicherer gelistete Rassen von vornherein ab.
  • Für die Gesundheit führt der kürzeste Weg über Lassie: Beitrag durchrechnen, bevor der erste Hautbefund schriftlich festgehalten ist.
Unsere Versicherungsempfehlung für Ihren Staffordshire Bullterrier
Lassie nennt für den Abschluss keine rassespezifischen Einschränkungen und leistet nach einem Unfall schon nach zwei Tagen. Im Notdienst darf die Praxis bis zum vierfachen Satz plus 50 Euro Notdienstgebühr abrechnen.

Wofür ist der Staffordshire Bullterrier anfällig?

Die teuerste Belastung dieser Rasse sitzt in der Haut. Britische Praxisdaten zählen den Staffordshire Bullterrier zu den Rassen mit den höchsten Atopie-Raten. Gemeint ist eine dauerhafte allergische Überempfindlichkeit, die sich in Juckreiz, Ohrentzündungen und wiederkehrenden Hautinfektionen zeigt.

Für die Versicherung ist daran ein Punkt entscheidend: Eine Atopie läuft über Jahre und löst immer wieder Termine, Diagnostik und Medikamente aus. Sobald sie einmal im Behandlungsbericht steht, nimmt sie kein neuer Vertrag mehr mit.

L-2-HGA: die Erkrankung, die Sie vorher abfragen können

L-2-Hydroxyglutarazidurie ist eine seltene neurometabolische Erkrankung der Rasse, und sie gehört zu den wenigen, bei denen ein einziger Gentest vorab Klarheit schafft. Der Deutsche Club für Bullterrier unterscheidet drei Testergebnisse: frei, Träger und betroffen. Verpaart werden soll nur frei mit frei oder frei mit Träger, damit kein betroffener Welpe fällt.

Fragen Sie den Züchter deshalb nach dem Testergebnis beider Elterntiere, und zwar als Befund, nicht als mündliche Zusage. Auf dieselbe Liste gehört die Hüfte: Eine Hüftgelenksdysplasie ist beim Staffordshire Bullterrier dokumentiert, auch wenn sie bei dieser Größenklasse seltener zum Kostentreiber wird als die Haut.

Was kostet die Behandlung?

Was Sie beim Tierarzt zahlen, bestimmt bei dieser Rasse weniger die Diagnose als der Gebührensatz auf der Rechnung. Abgerechnet wird nach der Gebührenordnung für Tierärzte, und die gibt der Praxis einen Spielraum vor.

SituationSatz nach der GOTZusätzlich
Sprechzeit, Regelfalleinfacher bis dreifacher Satzkeine Pauschale
Notdienst, also nachts, am Wochenende und an Feiertagenzweifacher bis vierfacher Satz50 Euro Notdienstgebühr

Dieselbe Behandlung kann damit je nach Uhrzeit und Aufwand ein Vielfaches kosten. Das ist der Grund, warum der Erstattungssatz in Ihrem Tarif wichtiger ist als der Monatsbeitrag: Rechnet die Praxis zum dreifachen Satz ab und Ihr Vertrag deckt nur den zweifachen, zahlen Sie die Differenz aus eigener Tasche.

Wichtig: Der angesetzte Faktor steht auf jeder Tierarztrechnung. Schauen Sie ihn an, bevor Sie die Rechnung einreichen, und fragen Sie bei einer Notdienstrechnung nach, wenn er nicht ausgewiesen ist.

Worauf kommt es beim Tarif für den Staffordshire Bullterrier an?

Bei einem Staffordshire Bullterrier entscheiden drei Punkte im Tarif. Erstens der Erstattungssatz, also bis zu welchem GOT-Faktor der Anbieter zahlt. Zweitens die Wartezeit, und dabei besonders die verlängerte für einzeln benannte Diagnosen. Drittens die Frage, ob der Versicherer die Rasse überhaupt annimmt.

Der Zeitpunkt entscheidet über alles Weitere: Wer den Antrag erst stellt, nachdem die Praxis den ersten juckenden Hautbefund dokumentiert hat, bekommt für genau diese Haut keinen Schutz mehr.

Lassie: keine rassespezifische Einschränkung beim Abschluss

Lassie schreibt auf der eigenen Seite, dass es keine rassespezifischen Einschränkungen für den Abschluss einer OP- oder Krankenversicherung gibt. Für eine gelistete Rasse ist das die wichtigste Zusage überhaupt, weil sie den Antrag gar nicht erst am Rassenamen scheitern lässt. Auch hier steht das Wort Listenhund allerdings nicht ausdrücklich dabei, lassen Sie sich die Annahme also vor der Unterschrift bestätigen.

Rechnen Sie mit 30 Tagen allgemeiner Wartezeit, zwei Tagen nach einem Unfall und 18 Monaten besonderer Wartezeit für bestimmte benannte Diagnosen. Wer heute abschließt, ist also in einem Monat im Regelschutz.

Lassie Hundekrankenversicherung
Keine rassespezifischen Einschränkungen für den Abschluss, Listenhunde nicht ausdrücklich genannt, dazu 30 Tage allgemeine Wartezeit, zwei Tage nach einem Unfall und 18 Monate für einzelne benannte Diagnosen.

Krankenversicherung für den Staffordshire Bullterrier: was die Einstufung ändert

Auf der Gesundheitsseite ändert die Kategorie-1-Einstufung wenig. Die Rasselisten der Länder regeln die Haltung und wirken auf die Haftpflicht, nicht auf die Frage, ob ein Krankenversicherer eine Hautbehandlung bezahlt.

AnbieterAussage zur RasseFür diesen Hund wichtig
Lassiekeine rassespezifischen Einschränkungen für den Abschluss30 Tage allgemeine Wartezeit, 2 Tage nach einem Unfall, 18 Monate für benannte Diagnosen
Agila„Wir versichern alle Hunderassen“, „Keine Rasseausschlüsse“Aussage gilt allen Rassen, Listenhunde nicht ausdrücklich genannt
Cleosrassetypische Erkrankungen vollständig mitversichertohne gesonderte Begrenzung für diese Erkrankungen

Lesen Sie die mittlere Spalte genau. Agila sagt „keine Rasseausschlüsse“ und „Wir versichern alle Hunderassen“, das Wort Listenhund steht dort aber nicht. Das ist eine gute Ausgangslage und trotzdem keine namentliche Zusage für einen Hund der Kategorie 1.

Bei einem eingestuften Hund lohnt es sich deshalb, die Annahme vor der Unterschrift per Mail bestätigen zu lassen. Sie haben die Antwort dann schwarz auf weiß und sparen sich einen zweiten Anlauf.

Der zweite Punkt betrifft die Wartezeit. Fragen Sie gezielt nach, welche Diagnosen unter die verlängerte Wartezeit fallen und ob chronische Hauterkrankungen dazugehören. Bei dieser Rasse ist das die Zeile, an der später die Erstattung hängt.

Und wenn die Haut bereits behandelt wurde? Dann bleibt diese eine Erkrankung als Vorerkrankung außen vor, der übrige Schutz gilt weiter. Ein Vertrag lohnt sich für einen solchen Hund trotzdem, denn Unfälle, Zähne und alles Orthopädische sind davon nicht berührt.

Weitere Tarife für den Staffordshire Bullterrier

Neben Lassie kommen für den Staffordshire Bullterrier zwei Tarife infrage, die je einen anderen Punkt gut lösen: Agila den günstigen Einstieg mit einer klaren Aussage zu allen Rassen, Cleos die rassetypischen Erkrankungen ohne eigenes Limit. Welcher der beiden passt, hängt davon ab, ob Sie beim Beitrag oder bei der Deckung anfangen.

Agila: alle Hunderassen, ohne gesonderte Rasseliste

Agila nennt auf der eigenen Produktseite „Keine Rasseausschlüsse“ und versichert nach eigener Aussage alle Hunderassen. Der Einstieg beginnt bei 20,18 Euro im Monat im Tarif Basis.

Basis ist dabei die Einstiegsstufe, nicht der Vollschutz. Prüfen Sie vor dem Abschluss, welche ambulanten Leistungen darin enthalten sind, denn bei einer Hauterkrankung fällt der größte Teil der Kosten genau dort an.

Agila Hundekrankenversicherung
Keine Rasseausschlüsse nach eigener Aussage, alle Hunderassen versicherbar, Einstieg im Tarif Basis ab 20,18 Euro im Monat.

Cleos: rassetypische Erkrankungen ohne gesonderte Begrenzung

Cleos versichert rassetypische Erkrankungen nach eigener Darstellung vollständig mit und setzt dafür keine gesonderte Begrenzung. Bei einer Rasse mit einer bekannten Hautdisposition ist das der Unterschied zwischen einem Deckel und einer echten Übernahme.

Der Beitrag beginnt bei 33,25 Euro im Monat, Stand September 2026. Das ist deutlich mehr als bei Agila, und Sie kaufen damit genau eine Sache: die fehlende Begrenzung bei den Erkrankungen, die diese Rasse mitbringt.

Cleos für rassetypische Erkrankungen
Rassetypische Erkrankungen vollständig mitversichert und ohne gesonderte Begrenzung, Einstieg ab 33,25 Euro im Monat, Stand September 2026.

Hundehaftpflicht für den Staffordshire Bullterrier: die schwierigere Hälfte

Bei der Hundehaftpflicht wird aus der Einstufung ein echtes Problem, denn die meisten Versicherer schließen gelistete Rassen aus. Die Hundehaftpflicht zahlt für Schäden, die Ihr Hund anderen zufügt, und ist damit das Produkt, auf das Sie am wenigsten verzichten können.

Die Einstufung selbst ist der Grund. Das Ordnungsamt der Stadt Nürnberg führt den Staffordshire Bullterrier in Bayern unter Kategorie 1. Damit gilt die Gefährlichkeit als unwiderleglich vermutet.

Zucht und Einfuhr sind zudem seit 2001 bundesweit verboten. Was daraus für Leine, Maulkorb oder eine Erlaubnispflicht folgt, unterscheidet sich von Land zu Land. Wie weit die Rasselisten der Länder auseinandergehen, sortiert die Seite zum Rottweiler nach Bundesländern.

Uelzener: das ausdrückliche Ja zu Listenhunden

Uelzener beantwortet die Frage in seinen FAQ in einem Satz: „Ja, auch Listenhunde sind bei uns versicherbar.“ Das ist die Zusage, an der bei den meisten anderen Anbietern Schluss ist, und sie ist der Grund, warum die Haftpflicht für diesen Hund hier startet und nicht beim günstigsten Vergleichstreffer.

Eine Sache müssen Sie dabei wissen: Der beworbene Einstiegsbeitrag auf der Anbieterseite gilt laut der zugehörigen Fußnote ausdrücklich für einen Hund, der kein Listenhund ist. Als Richtwert für Ihren Staffordshire Bullterrier taugt er deshalb nicht.

Lassen Sie sich den Beitrag also konkret für Ihren Hund nennen und klären Sie im selben Gespräch, wie das Unternehmen einen Verstoß gegen Leinen- oder Maulkorbauflagen im Schadensfall behandelt. Bei einem eingestuften Hund ist das die Klausel, die im Ernstfall über die Zahlung entscheidet.

Uelzener Hundehaftpflicht für Listenhunde
Uelzener bestätigt in den eigenen FAQ, dass auch Listenhunde versicherbar sind, und nennt dafür weder eine Rasseliste noch eine Ausnahmeklausel.

Vorbeugen und beim Züchter nachfragen

Drei Dinge nehmen Sie vor der Anschaffung in die Hand, und alle drei sind später nicht mehr nachzuholen.

  • Der L-2-HGA-Status beider Elterntiere, als schriftlicher Befund mit dem Ergebnis frei, Träger oder betroffen.
  • Die Auflagen Ihres Bundeslandes und Ihrer Gemeinde, geklärt vor der Übernahme. Die Einstufung greift am Tag der Anschaffung, nicht erst bei der ersten Kontrolle.
  • Der Versicherungsschutz, abgeschlossen in der Zeit, in der noch nichts behandelt wurde.

Bei der Haut hilft danach vor allem Aufmerksamkeit. Kratzen, häufiges Kopfschütteln und ein geröteter Bauch sind die frühen Zeichen, und je eher die Ursache gefunden ist, desto seltener wird daraus eine Dauerbehandlung.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Für die Therapie einer chronischen Hauterkrankung, für die Wahl der Präparate und für die Frage, ob ein Gentest weiterhilft, ist die behandelnde Tierarztpraxis zuständig.

Häufig gestellte Fragen zum Staffordshire Bullterrier

Hebt ein bestandener Wesenstest die Kategorie 1 auf?

Nein. In Bayern zählt der Staffordshire Bullterrier zur Kategorie 1, und die Gefährlichkeit gilt dort als unwiderleglich vermutet. Die Einstufung greift ab dem Tag der Anschaffung und hängt nicht am Verhalten des einzelnen Hundes. Ein Wesenstest kann sie deshalb nicht ausräumen.

Darf man einen Staffordshire Bullterrier in Deutschland halten?

Zucht und Einfuhr sind seit 2001 bundesweit verboten, die Haltung selbst regeln die Bundesländer. In Bayern gilt die Rasse als Hund der Kategorie 1. Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen führen keine Rasseliste. Prüfen Sie vor der Anschaffung die Verordnung Ihres Landes und die Auflagen Ihrer Gemeinde.

Was kostet eine Versicherung für einen Staffordshire Bullterrier?

Den Beitrag berechnet jeder Anbieter individuell über seinen Beitragsrechner, unter anderem nach Alter, Wohnort und Rasse. Als Anhaltspunkt: Agila startet im Tarif Basis bei 20,18 Euro im Monat, Cleos bei 33,25 Euro, Stand September 2026. Wie weit die Beiträge zwischen den teuersten und den günstigsten Hunderassen auseinandergehen, ist erheblich.

Welche Hundehaftpflicht nimmt einen Listenhund?

Uelzener bestätigt in den eigenen FAQ, dass auch Listenhunde versicherbar sind, ohne eine Rasseliste oder eine Ausnahmeklausel zu nennen. Der beworbene Einstiegsbeitrag der Seite gilt laut Fußnote allerdings nur für einen Hund, der kein Listenhund ist. Lassen Sie sich den Beitrag für Ihren Hund deshalb einzeln nennen.

Zahlt die Hundekrankenversicherung rassetypische Erkrankungen?

In der Regel ja, oft aber erst nach einer verlängerten Wartezeit. Lassie setzt für benannte Diagnosen 18 Monate an, Cleos versichert rassetypische Erkrankungen nach eigener Darstellung ohne gesonderte Begrenzung mit. Ausgeschlossen bleibt in jedem Tarif, was vor Vertragsbeginn schon behandelt oder diagnostiziert wurde. Was sonst dazugehört, steht in unserem Überblick zur Hundekrankenversicherung.


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