Cherry Eye beim Hund: OP-Kosten und warum die Drüse bleibt


Laura Schneider Geschrieben von Laura Schneider

Der erste Gedanke bei einem Cherry Eye ist, die vorgefallene Drüse entfernen zu lassen. Das ist die eine Variante, die ein guter Chirurg Ihnen ausredet, und die amtliche Gebührenordnung für Tierärzte kennt sie nicht einmal als eigene Leistung. Ein Cherry Eye ist der Vorfall der Nickhautdrüse, also der Tränendrüse im dritten Augenlid, die aus ihrer Verankerung rutscht und als rote Wölbung im inneren Augenwinkel sichtbar wird.

Die OP-Kosten für ein Cherry Eye beim Hund liegen je Auge zwischen 220,38 und 661,13 Euro brutto, je nach Gebührensatz der Praxis. Wenn Sie gerade auf dieses Auge schauen: Ein Fall für mitten in der Nacht ist es meist nicht, aufschieben sollten Sie den Termin trotzdem nicht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Abgerechnet wird je Auge: Für ein Auge zahlen Sie nach der amtlichen Gebührenordnung für Tierärzte 220,38 bis 661,13 Euro brutto.
  • Werden beide Augen in einer Sitzung versorgt, liegt die Rechnung bei 339,38 bis 1.018,13 Euro brutto, weil Untersuchung und Narkose nur einmal anfallen.
  • Häufig fällt das zweite Auge erst Monate später vor, dann zahlen Sie eine zweite volle Rechnung.
  • Die Drüse wird an ihren Platz zurückverlagert und nicht entfernt, weil sie rund ein Drittel der Tränenflüssigkeit bildet.
  • Schließen Sie eine Versicherung ab, bevor der erste Vorfall in der Patientenakte steht, danach gilt er als Vorerkrankung.

Was kostet eine Cherry-Eye-OP beim Hund?

Eine Cherry-Eye-OP kostet je Auge zwischen 220,38 und 661,13 Euro brutto. Anders als bei vielen anderen OP-Kosten beim Hund entscheidet dabei nicht die gewählte Methode über die Rechnung, sondern die Zahl der betroffenen Augen und der Gebührensatz der Praxis. Das Gebührenverzeichnis der GOT, also der Gebührenordnung für Tierärzte, führt die Rückverlagerung der Nickhautdrüse ausdrücklich je Auge. Stand September 2026 gelten diese Positionen:

ZifferLeistungEinfachsatz (netto)
16Allgemeine Untersuchung mit Beratung23,62 €
792Nickhautdrüse, Zurückverlagerung und Fixierung, je Auge100,00 €
793Nickhautknorpel, teilweise Entfernung, je Auge60,00 €
337Inhalationsnarkose61,57 €

Die Praxis multipliziert diese Beträge mit dem ein- bis dreifachen Satz, im Notdienst mit dem zwei- bis vierfachen. Über dem Dreifachen braucht sie vorher Ihre Zustimmung in Textform. Alle Werte in der Tabelle sind Nettobeträge, auf die noch 19 Prozent Umsatzsteuer kommen.

Ein Auge, beide Augen, zweites Auge später

Variantenetto, einfacher Satzbrutto, einfacher Satzbrutto, dreifacher Satz
Ein Auge185,19 €220,38 €661,13 €
Beide Augen in einer Sitzung285,19 €339,38 €1.018,13 €
Zweites Auge Monate später185,19 €220,38 €661,13 €

Der Sprung von einem auf beide Augen fällt kleiner aus, als man erwartet, und das hat einen klaren Grund: Die Ziffer 792 fällt zweimal an, Untersuchung und Narkose aber nur einmal, weil eine Leistung, die Teil einer anderen ist, nicht zweimal berechnet werden darf. Sie zahlen für das zweite Auge in derselben Sitzung also im Wesentlichen die reine Operationsziffer.

Der teurere Weg ist der häufigere. Fällt die zweite Drüse erst Monate später vor, beginnt die Rechnung wieder bei der Untersuchung und der Narkose. Unterm Strich zahlen Sie dann zweimal 220,38 bis 661,13 Euro brutto statt einmal 339,38 bis 1.018,13 Euro. Wenn beim Voruntersuchungstermin am zweiten Auge schon etwas auffällt, sprechen Sie deshalb an, ob beide Seiten in einer Narkose versorgt werden können.

Warum die Drüse zurückverlagert und nicht entfernt wird

Die Nickhautdrüse bildet etwa ein Drittel der Tränenflüssigkeit Ihres Hundes. Wer sie herausschneidet, löst das sichtbare Problem an einem Nachmittag und handelt sich eine Keratoconjunctivitis sicca ein, das trockene Auge, das lebenslang mit Tropfen und Salben behandelt werden muss. Gemessen an den Kosten über ein Hundeleben ist die scheinbar günstige Lösung die teuerste.

Die Gebührenordnung bestätigt das aus einer ganz anderen Richtung. In der Gruppe für Lidbindehaut und Nickhaut gibt es eine Position für die Zurückverlagerung und Fixierung der Drüse und eine für die teilweise Entfernung des Nickhautknorpels. Eine Ziffer für das Entfernen der Drüse selbst existiert nicht. Der Gebührenrahmen bildet also genau den Standard ab, den die Augenheilkunde vertritt.

Beim Eingriff wird die Drüse an ihrer ursprünglichen Position wieder verankert, meist über eine Taschentechnik: Der Chirurg legt in der Bindehaut eine Tasche an, versenkt die Drüse darin und vernäht sie. Sie bleibt funktionsfähig und produziert weiter Tränenflüssigkeit. Die Veterinärmedizinische Universität Wien beziffert den Erfolg auf etwa 90 Prozent der Fälle. Ein Rückfall ist möglich, dann wird nachoperiert.

Drei Tarife für einen jungen Hund mit bekannter Rassedisposition

Ein Cherry Eye trifft meist sehr junge Hunde, und damit verschiebt sich die entscheidende Frage von der Leistung auf die Frist. Läuft der Vertrag schon, wenn die Drüse vorfällt, und ist die Wartezeit durch? Die drei Anbieter unten unterscheiden sich genau darin, und zusätzlich darin, wie deutlich sie sich zu rassetypischen Erkrankungen erklären. Für einen Welpen, der erst ins Haus gekommen ist, zählt der erste Punkt am meisten.

Lassie: keine Wartezeit für Welpen bis 120 Tage

Wer seinen Hund bei Lassie im Alter von höchstens 120 Tagen anmeldet und ein Gesundheitszeugnis vorlegt, für den entfällt die Wartezeit vollständig. Bei genau der Rassegruppe, bei der das Cherry Eye typischerweise im ersten Lebensjahr auftritt, ist das die relevanteste Regel im ganzen Bedingungswerk. Ohne diesen Nachweis gelten 30 Tage Wartezeit für Heilbehandlungen und zwei Tage bei Unfällen, für bestimmte Diagnosen auch 18 Monate.

Beim Jahreslimit staffelt der Anbieter nach Tarif: Mini deckelt bei 1.000 Euro im Jahr, Midi wird ab dem dritten Jahr unbegrenzt, Maxi ist es von Anfang an. Das Vorsorgebudget liegt je nach Stufe bei 35, 100 oder 140 Euro.

Ausdrücklich zu rassetypischen Erkrankungen erklärt sich von unseren drei Anbietern Cleos, dazu gleich unten mehr.

Lassie: Welpen ohne Wartezeit versichern
Bis 120 Tage Alter mit Gesundheitszeugnis ohne Wartezeit, Maxi-Tarif ohne jährliche Höchstgrenze.

Cleos: rassetypische Erkrankungen ausdrücklich versichert

Cleos wirbt damit, dass rassetypische Erkrankungen versichert sind, und das ist bei einem Cherry Eye die Aussage, auf die es ankommt. Betroffen sind fast ausschließlich Rassen mit bekannter Veranlagung, und bei genau dieser Konstellation lohnt es sich, einen Anbieter zu wählen, der sich dazu klar positioniert. Wir halten Cleos deshalb für die passendste Wahl, wenn Ihr Hund zu einer der typischen Rassen gehört und noch nichts am Auge hatte.

Der Einstieg beginnt bei 23,99 Euro für den Rundum-Plus-Tarif, ein reiner OP-Schutz ist ab 14,39 Euro zu haben. Die Wartezeit beträgt 30 Tage, für bestimmte Erkrankungen sechs Monate, bei Unfällen entfällt sie.

Beim Jahreslimit trennen sich die Stufen deutlich: 3.000 Euro im Basis-Tarif, 10.000 Euro im Rundum-Tarif, unbegrenzt im Rundum Plus. Was vor Vertragsbeginn bekannt war, bleibt auch hier außen vor.

Cleos: Schutz für Rassen mit Veranlagung
Rassetypische Erkrankungen ausdrücklich eingeschlossen, OP-Schutz ab 14,39 Euro im Monat.

Petolo: gar keine Wartezeit, dafür ein Deckel im ersten Jahr

Petolo verzichtet vollständig auf eine Wartezeit, unabhängig vom Alter des Hundes und ohne Gesundheitszeugnis. Wenn Sie gerade einen halbjährigen Welpen einer disponierten Rasse übernommen haben und nicht mehr in Lassies 120-Tage-Fenster kommen, ist das der direkteste Weg zu sofortigem Schutz.

Im ersten Vertragsjahr gilt allerdings eine Höchstleistung von 500 Euro im Komfort-, 1.000 Euro im Premium- und 1.500 Euro im Premium-Plus-Tarif, ab dem zweiten Jahr fällt die Grenze weg. Rechnen Sie das gegen Ihre mögliche Rechnung: Eine einseitige OP zum dreifachen Satz liegt mit 661,13 Euro brutto bereits über dem Deckel des Komfort-Tarifs.

Fehlentwicklungen sind bis 2.500 Euro mitversichert, allerdings nur, wenn die Symptome nach Vertragsbeginn auftreten. Die Monatsbeiträge starten bei 34,90 Euro und reichen über 47,90 Euro im Premium- bis 60,90 Euro im Premium-Plus-Tarif.

Petolo: Schutz ab dem ersten Tag
Keine Wartezeit in allen Tarifen, ab dem zweiten Jahr ohne jährliche Höchstgrenze.

Was ist ein Cherry Eye und welche Hunde trifft es?

Ein Cherry Eye entsteht, wenn das Bindegewebe, das die Nickhautdrüse im dritten Augenlid hält, zu schwach ist und die Drüse über den Lidrand nach vorn rutscht. Sichtbar ist das als glatte, rote bis rosafarbene Wölbung im inneren Augenwinkel, die praktisch über Nacht auftaucht.

Die Veranlagung ist rassegebunden. Genannt werden vor allem Rassen mit kurzem Schädel und großer Lidspalte: Pekinese, Cocker Spaniel, Boxer, Lhasa Apso, Shih Tzu, Mastiff, Dogge und die Französische Bulldogge. Betroffen sind typischerweise sehr junge Hunde, oft im ersten Lebensjahr, und häufig nacheinander beide Augen.

Ein Notfall im engeren Sinn ist der Vorfall meist nicht. Ein plötzlicher, vor allem beidseitiger Vorfall mit der Gefahr, dass die Hornhaut austrocknet, kann allerdings eine Behandlung außerhalb der Sprechzeiten nötig machen, und dann rechnet die Praxis nach den Notdienstregeln mit dem zwei- bis vierfachen Satz ab. Bis zum Termin gilt:

  • Schieben Sie die Drüse nicht selbst zurück. Sie bekommen sie nicht dauerhaft an ihren Platz und reizen das Gewebe zusätzlich.
  • Verhindern Sie, dass Ihr Hund am Auge kratzt oder scheuert.
  • Fotografieren Sie das Auge, bevor Sie in die Praxis fahren. Für die spätere Erstattung ist ein datiertes Bild mehr wert, als Sie in dem Moment denken.
  • Lassen Sie sich einen Kostenvoranschlag mit den einzelnen Ziffern geben und fragen Sie nach, ob netto oder brutto gerechnet wurde.

Vorerkrankung: warum der Zeitpunkt über das zweite Auge entscheidet

Die Frist, die bei einem Cherry Eye abläuft, beginnt mit der ersten Diagnose und nicht mit der Geburt. Solange am Auge nichts dokumentiert ist, ist Ihr Hund für die Anbieter ein gesundes Tier, auch wenn seine Rasse als anfällig gilt. Steht der Vorfall einmal in der Akte, ist er eine Vorerkrankung und aus jedem später abgeschlossenen Vertrag ausgeschlossen.

Das trifft ausgerechnet dort, wo es wehtut. Weil oft beide Augen nacheinander betroffen sind, schließen Sie nach dem ersten Vorfall zwar noch eine Versicherung ab, zahlen die zweite Operation mit bis zu 661,13 Euro brutto aber trotzdem selbst, wenn der Versicherer sie derselben Erkrankung zurechnet. Wer einen Welpen einer disponierten Rasse übernimmt, sollte den Vertrag deshalb in den ersten Wochen abschließen, nicht nach dem ersten Tierarztbesuch. Für den Einstieg lohnt der Blick auf die Welpenversicherung.

Wie Anbieter mit angeborenen und rassetypischen Erkrankungen umgehen, ist sehr unterschiedlich geregelt, und die Bedingungen sagen es selten auf der ersten Seite. Zwei klare Gegenpole: Agila schließt angeborene Krankheiten und Defekte ausdrücklich aus, Cleos bewirbt rassetypische Erkrankungen als versichert. Bei den übrigen Anbietern lohnt sich der Blick in die Bedingungen oder die schriftliche Nachfrage vor Abschluss.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Ob die Drüse Ihres Hundes operiert wird, mit welcher Technik sie zurückverlagert wird und was der Eingriff in Ihrer Praxis kostet, entscheidet sich erst nach der Untersuchung am Auge selbst.

Häufige Fragen

Was ist ein Cherry Eye beim Hund?

Als Cherry Eye bezeichnet man den Vorfall der Nickhautdrüse, also der Tränendrüse im dritten Augenlid des Hundes. Das Bindegewebe, das sie an ihrem Platz hält, gibt nach, und die Drüse rutscht als rote Wölbung über den Lidrand in den inneren Augenwinkel. Behandelt wird das operativ, indem die Drüse an ihrer ursprünglichen Position wieder verankert wird.

Ist ein Cherry Eye beim Hund gefährlich?

Für das Sehvermögen ist der Vorfall selbst selten bedrohlich, unbehandelt bleiben sollte er trotzdem nicht: Die vorgefallene Drüse liegt ungeschützt, und es droht die Austrocknung der Hornhaut. Gefährlich wird vor allem die falsche Behandlung. Wird die Drüse entfernt statt zurückverlagert, fehlt dauerhaft rund ein Drittel der Tränenflüssigkeit, und daraus entsteht ein trockenes Auge, das lebenslang behandelt werden muss.

Was kostet eine Cherry-Eye-OP beim Hund?

Die Operation kostet je Auge zwischen 220,38 und 661,13 Euro brutto. Wo in dieser Spanne Sie landen, hängt an dem Faktor, mit dem Ihre Praxis die Gebührenziffer für das einzelne Auge multipliziert: einfach ergibt das untere Ende, dreifach das obere. Werden beide Augen in einer Sitzung versorgt, liegt die Rechnung bei 339,38 bis 1.018,13 Euro brutto, weil die Untersuchung und die Narkose nur einmal berechnet werden. Medikamente und Nachkontrollen kommen hinzu.

Kann ein Cherry Eye wiederkommen?

Ja. Die Rückverlagerung gelingt in etwa 90 Prozent der Fälle dauerhaft, ein Rückfall ist also möglich und wird dann erneut operiert. Häufiger als ein echter Rückfall am selben Auge ist allerdings der Vorfall am zweiten Auge, meist zu einem späteren Zeitpunkt. Planen Sie bei einer disponierten Rasse gedanklich mit zwei Eingriffen statt mit einem.

Zahlt eine Hundeversicherung ein Cherry Eye?

Ja, wenn der Vertrag vor dem ersten Vorfall bestand und die Wartezeit abgelaufen war. Danach gilt der Vorfall als Vorerkrankung und ist ausgeschlossen, in der Regel auch für das zweite Auge. Achten Sie bei einer Rasse mit bekannter Veranlagung zusätzlich darauf, wie der Tarif rassetypische und angeborene Erkrankungen behandelt, denn hier gehen die Bedingungen weit auseinander.


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